Die Beziehung von Taiji und Qigong zur Akupunktur

Taiji und Akupunktur

Ein Heilpraktiker berichtet vom Workshop mit einem wahren Taiji Chuan Meister

Seit langer Zeit praktiziere ich als Heilpraktiker Taiji im Chen Stil nach Chen Xiaowang. Ich hatte das Glück, ein Seminar mit Meister Chen Bin zu besuchen, der hierfür aus China anreiste. Dieses Seminar fand nicht in Bremen sondern in Berlin statt. Er ist Sohn von Chen Zhenglei (die geheime Nummer 1 des Chen Taiji in Asien) und praktiziert dessen Art des Taiji, welche dem Taiji von Chen Xiaowang sehr ähnelt. Die beiden Lehrer kommen vom Ursprungsort des Taiji in China, und gehören zu einer Tradition von vielen Generationen.

Mein Lehrer für Akupunktur Edward Obaidey, welcher die Traditionelle Japanische Akupunkturausbildung durchlaufen hat und seit fast 30 Jahren in Japan lebt und in seiner Akupunkturklinik praktiziert, legt großen Wert auf die Prinzipien des Taiji, welche dem Heilpraktiker für Akupunktur eine große Hilfe sein können. Viele Akupunkturmeister der Vergangenheit ware zugleich Taiji Meister oder praktizierten zumindest Qi Gong und Taiji. Als ich mich bei der AGTCM (Arbeitsgemeinschaft für Traditionelle Chinesische Medizin) in Berlin für meine Grundausbildung in Akupunktur vorstellte, wurde mir gesagt, daß man mit Taiji oder Qigong die Akupunktur voll nutzen kann, ohne dies hat man nur einen geringeren Teil der Möglichkeiten zur Verfügung. Auch hier in Bremen gibt es einige Therapeuten und Akupunkteure, welche Qi Gong sehr schätzen. Daher war mir das Taiji für meine Akupunkturpraxis von Anfang an wichtig. Vor allem jedoch auch, weil ich persönlich und gesundheitlich sehr vom Taiji profitieren durfte, und nicht zuletzt bei meiner Akupunkturpraxis als Heilpraktiker.

Beim Workshop

Tiaji – eigentlich Taiji Chuan – ist eigentlich eine innere Kampfkunst, das „Chuan“ bedeutet Faust. Was viele nicht wissen ist, daß hiermit noch vor 100 oder 200 Jahren ernsthaft gekämpft wurde und die Geheimnisse des Taiji wurden deswegen streng behütet. Als Heilpraktiker ist Taiji für mich interessant, weil von ihm viele heute als „Qi Gong“ bekannte Uebungen ausgehen, welche einen sehr hohen gesundheitlichen nutzen haben. Dazu jedoch später mehr.

Meister Chen Bin gehört also zur Gruppe jener seltener Taiji Meister, die nicht nur seit der Kindheit praktizieren, sondern auch zur ursprünglichen Familie gehören, in welcher das Taiji entstand. Mein Eindruck war sofort, daß er alles unterrichtet, was er weiß (sofern es für den Zuhörer nützlich ist) und nichts verheimlicht, die Zeiten haben sich eben geändert, aber er ist einfach auch ein offener und großzügiger Mensch. So erhoffte ich mir also gesundheitliche Vorteile und Inspirationen durch Uebungen, welche ich als Heilpraktiker an meine Patienten weitergeben kann. Zum anderen ist Taiji eine große Hilfe bei der Praxis der Akupunktur, und auch hier erhoffte ich mir weiteren Input.

Ich bekam dann auch sehr viele Anregungen und weiterführende Informationen, zum Beispiel zu den Seidenfaden Qi Gong Uebungen des Chen Stils. Hier lernte ich beispielsweise den Fokus darauf zu legen, die sogenannten „Kwa Punkte“ zu öffnen, das sind Orte, an welchen Qi und Blut besonders stark zirkulieren und vom Rumpf in die Beine fließt und umgekehrt. Sie liegen nahe des Akupunkturpunktes Magen 30. In der Akupunktur kann es ebenfalls von großer Bedeutung sein, dieses Areal mit entsprechenden Techniken zu öffnen. Zudem nützt es mir natürlich als Heilpraktiker, Methoden zu erlernen, wie ich die Tätigkeit der Akupunktur entspannter und bewußter durchführen kann. Auch dazu später mehr.

Mein Weg als Heilpraktiker für Akupunktur zum Taiji

Während meiner Freiburger Zeit hatte ich Kontakt zu Heilpraktikern, die Qi Gong, Taiji und Akupunktur ausübten. Damals nahm ich noch an einer Ausbildung zum Yogalehrer teil, bei welcher ich mir dann das Knie verletzte. Als angehender Heilpraktiker suchte ich nach Lösungen, Akupunktur ging mir damals noch „zu weit“ weil ich mir selbst helfen wollte.

Hier in Bremen hätte es sicherlich auch bessere Akupunkteure für diese Aufgabe gegeben. So kam ich dann mit einem Lehrer für Taiji, Qi Gong und Baguazhang in Kontakt und die Uebungen konnten mir im Gegensatz zum Yoga sehr gut helfen, sodaß meine Knieprobleme sich besserten und bald ganz verschwanden. Mittlerweile schon in Berlin angekommen probierte ich dank vieler dortiger Möglichkeiten verschiedene Qi Gong Formen und Taiji Stile aus, während ich meine Grundausbildung in Akupunktur bei der AGTCM machte. Mit viel Glück kam ich so zum Chen Stil im Sinne von Chen Xiaowang, unterrichtet von Ingolf Peters. Dieser ist ein sehr alter Schüler und Ehrenträger des Chen Stils. Ich hatte also auch als Heilpraktiker den Vorteil, Taiji und Qi Gong parallel zur Akupunktur zu erfahren und zu erlernen.

Hier in Bremen ist es nun schwer für mich, einen solchen Lehrer zu finden, weswegen ich mich immer wieder auf den Weg in die Ferne mache, um meiner Arbeit als Heilpraktiker eine bessere Qualität zu geben und meine Gesundheit zu schützen.

Prinzipien des Taiji und ihre Relevanz für Heilpraktiker und Therapeuten für ostasiatische Medizin

Wie schon erwähnt erfuhr ich bereits bei Beginn meiner Laufbahn als Akupunkteur von der großen Relevanz von Taiji und Qi Gong für die Akupunktur. Die Prinzipien von Leitbahnen, Qi und Akupunkturpunkten sind universell und haben Relevanz für die Akupunktur genauso wie für das Qi Gong. Jedoch geht es hier vor allem darum, wie der Heilpraktiker und Therapeut der Akupunktur als Person in seiner Arbeit von den Prinzipien des Taiji profitiert.

Die vielen positiven Auswirkungen der Praxis von Taiji und Qi Gong machen sich in der Tat quasi sofort bei der Ausübung der Akupunktur bemerkbar. Erwähnt seien hier exemplarisch eine verwurzelte und zugleich entspannte Haltung sowie die Entwicklung der Wahrnehmung und Sensibilität. Beides wird durch das Taiji besonders gut entwickelt und ist von höchster Bedeutung für Heilpraktiker im Allgemeinen aber vor allem für Praktizierende der Akupunktur. Eine gut verwurzelte Körperhaltung bewirkt auch eine entsprechende geistige Ausrichtung, was dem Heilpraktiker wiederum den Streß nehmen und so die Qualität zum Beispiel einer Akupunkturbehandlung erheblich steigern kann.

Die Grundlagen des Taiji in der Akupunktur

Hier sei noch kurz erklärt, welche Prinzipien sich beispielsweise vom Taiji zur Akupunktur übertragen. So gilt bei beiden Methoden der Grundsatz „Fluß ist Leben, Leben ist im Fluß. Dort wo alles natürlich fließt, entsteht Gesundheit.“ In der Akupunktur stellen wir diesen Fluß mit Nadeln her, während der Taiji ausübende Heilpraktiker dies mittels Bewegung bewirkt. Ein weiteres Beispiel ist die Entspannung: Sowohl für Taiji als auch Akupunktur ist es zentral, daß der Ausübende beziehungsweise durch Akupunktur vom Heilpraktiker behandelte entspannt ist. Nur so kann das Qi fließen und ein Heileffekt eintreten.