Pulsdiagnose in der TCM und der Japanischen Akupunktur

In der Praxis meines Lehrers in Tokyo im Mai 2017

Mindestens einmal im Jahr besuche ich meinen Lehrer in Tokyo, und Pulsdiagnose wird hier auf besonders hohem Niveau praktiziert. Dementsprechend ist es ein langer Weg, und stetiger Input eines kompetenten Lehrers ist essenziell. ich bin daher besonders stolz, die Pulsdiagnose nach Ikeda Masakazu Sensei zu lernen, einer der Top-Experten auf diesem Gebiet weltweit. Diesen besuche ich ebenfalls auf der Insel Imabari bei Osaka, er ist der meistgelesene Autor auf diesem Gebiet in Japan und betreibt ebenfalls eine geschäftige Akupunkturklinik. Demnächst wird Ikeda Sensei auch wieder nach London kommen und Edward Sensei wird übersetzen. Auch dieses Jahr im Mai 2017 war es wieder soweit, und diesmal bekam ich besonders viel Input im Bereich Pulsdiagnose, was mich zu diesem Artikel inspirierte.

 Pulsdiagnose in der TCM, klassischen Chinesischen Medizin sowie in der TJM

 Ikeda Masakazu ist Begründer der Traditionellen Japanischen Medizin (TJM), das Pendant zur TCM – der Traditionellen Chinesischen Medizin. Dies geschah explizit, um den Unterschied zur TCM zu betonen. Dieser besteht auch im bereich der Pulsdiagnose, da diese, vor allem bei der Art von Ikeda Sensei, besonders genau und auf hohem Level stattfindet. Während man in der TCM die Pulsdiagnose vor allem vornimmt, um die allgemeine Pulsqualität zu prüfen, oder eventuell noch, um allgemein übliche Muster zu prüfen wie beispielsweise ob die Nierenpulse schwach sind, so prüft man in der TJM jede der 12 Positionen auf eine von fast 30 Qualitäten. Dies findet in der TCM so nicht statt, jedoch gibt es Schulen der klassichen Chinesischen Medizin, wie zum Beispiel die von Arnaud Versluys. Zur kurzen Erklärung: TCM ist das von der Chinesischen Regierung geförderte und universitär kreierte System, während man unter der klassichen Chinesischen Medizin die Schulen mit echter Tradition versteht, die manchmal tausend Jahre und mehr zurückreichen, und leider immer weniger werden, weil sie auf einem Meister-Schüler Prinzip beruhen und wenig populär sind. Bei meinen Lehrern nun ist die Pulsdiagnose zum einen eine sehr genaue Methode zum Erkennen der Pathologie, die ein Patient mitbringt. Zum anderen, und auf einem weniger hohen Niveau, dient sie als Bestätigung der durch andere Untersuchungen gewonnen Diagnose, so wie auch in der TCM.

Da ich nun das Glück habe, von einem Lehrer korrigiert zu werden, ließ dieser mich dieses mal, als ich in Tokyo war, zahlreich Pulse bei den Patienten ertasten und wir tauschten uns bezüglich der Diagnose aus. Hier durfte ich sehr viel lernen und warf alte Paradigmen über Bord, die einem bis zu einem bestimmten Level helfen und dann eher hinderlich werden. Der Leser sollte hierzu vielleicht wissen, daß man sich in der Pulsdiagnose sein Leben lang weiterentwickeln kann, weswegen mein Lehrer in Tokyo sich auch schon darauf freut, daß Seminar bei seinem Lehrer in London übersetzen zu können – weil er dort eben viel lernen wird !. Also hat man in der Klassischen Chinesischen Medizin und insbesondere der Japanischen Meridiantherapie nie ausgelernt, so wie man es vielleicht von hiesigen Lehrberufen annimmt (obwohl das evtl. auch nicht stimmt …).

Vielen Dank also auch an die Patienten meines Lehrers, die es mir erlaubten, die Diagnose von Abdomen und Puls an ihnen vorzunehmen. Zum Teil traf ich alte Gesichter wieder.

 Wichtige Elemente einer guten Pulsdiagnose in TCM und Japanischer Medizin

 Entscheidend ist beispielsweise die Entwicklung einer hohen Sensibilität, welche immer feiner wird, je länger man praktiziert. Hierzu ist natürlich der richtige „Griff“ von Nöten, das heißt die Art, wie man den Patienten berührt. So kommen zwei Pulsdiagnostiker unter Umständen auf unterschiedliche Ergebnisse, weil diese Faktoren sich unterscheiden. Zum Glück habe ich meinen Lehrer, welcher mich wieder und wieder korrigiert und Vorschläge zur Verbesserung macht. Nun geht es bei der Pulsdiagnose im fortgeschrittenen Stadium darum, die verschiedenen Qualitäten wir oberflächlich, gespannt, weich usw. an jeder der 12 Positionen zu erkennen. Hierbei ist es vor allem wichtig, zu erkennen, wenn eine Position nicht die normale Qualität eines gesunden Pulses hat. Ist der Lungenpuls zum Beispiel tief und drahtig, so ist klar, daß sich Hitze in der Lunge befindet, im Sinne der Chinesischen Medizin. Ein normaler Lungenpuls sollte hingegen oberflächlich sein, der Nierenpuls jedoch auf keinen Fall. Wie man sieht ein komplexes Thema, das viel Spielraum für Weiterentwicklung des Therapeuten läßt und Sensibilität erfordert.

Weiterhin ist es zum Beispiel von Bedeutung, bestimmte Qualitäten mit bestimmten Pathologien in Verbindung bringen zu können. Ein seilförmiger Puls kann etwas ganz anderes Bedeuten als ein drahtförmiger, obwohl sich die Qualitäten ähneln. Der seilförmige Puls kann für das Eindrigen von Kälte stehen, der drahtförmige zum Beispiel für einen Lebermangel mit Hitze in der Gallenblase.

 Erlernen der Pulsdiagnose, eine diffizile Kunst der Chinesischen Medizin

 Da ich das Glück habe, daß mich ein Lehrer korrigiert, der selber viel Erfahrung mit Pulsdiagnose hat und diese auf hohem Niveau ausübt, konnte ich bei meinem Aufenthalt in Tokyo viel lernen. Im Tyohari System der Akupunktur erlernte ich bloß die Grundlagen, ohne großes Augenmerk auf die genaue Qualität. Nun komme ich mehr und mehr dahin, die einzelnen Positionen nach ihrer genauen Qualität zu untersuchen und ggf pathologische Pulse zu erkennen. Hierfür Danke ich meinen Lehrern Edward Obaidey und Masakazu Ikeda sehr !. arigato gozaimazu !

Abschiedsfoto mit meinem Lehrer Edwar Obaidey und Assistenten