Meine Wanderung auf dem Daibutsu Pfad – Gedanken über Akupunktur

Heilpraktiker und Akupunkteur Oliver Kania : Was macht Akupunktur für mich aus ?

Ich habe wieder die großartige Möglichkeit meinen Akupunkturlehrer Edward Obaidey in Tokyo aufzususchen und 1:1 von ihm zu lernen. Edwards Sensei lebt schon seit über 30 Jahren in Japan, er hat die klassische japanische Akupunkturuniversität durchlaufen und ist bei bekannten Lehrern Japans in der Lehre gewesen. Sein Lehrer wiederum ist schon seit sehr langer Zeit Masakazu Ikeda, für den er auch Bücher und bei Seminaren übersetzt. Zuerst heißt es jedoch für mich, den Jetlag loswerden und wieder auf den Boden kommen, mental nach so einer Reise von Bremen bis Tokyo. So wanderte ein Bremer in Japan heute den Daibutsu Pfad von Kita-Kamakura nach Kamakura durch den Dschungel, am Ende wartete der „Dai Butsu“ oder große Buddha auf mich.

Das Wandern als Besinnen auf das Wesentliche bei der Akupunktur.

Wandern ist natürlich eine sehr gute Möglichkeit, über Dinge nachzudenken und etwas mehr in die Tiefe zu gehen, als dies im Alltag möglich ist. In Bremen würde ich an Wochenenden nach anstrengenden und langen Tagen der Akupunktur- und Heilpraktiker-Praxis auch gerne mehr wandern, schließlich gibt es auch hier Möglichkeiten um die Stadt herum. Da mich Beruf und Familie gerne in Anspruch nehmen, ist es nun endlich wieder hier in Japan so weit. Angekommen am Vormittag in Kita-Katamura, eine Stadt mit zahlreichen Tempeln des Zen-Buddhismus, schaute ich mir ersteinmal einen dieser Tempel an.

Freundlich und hilfsbereit wie die Japaner sind kam ich dann auch mit einem Dozenten für Japanische Kultur ins Gespräch, der sogar schon in Hamburg unterrichtet hatte und auch meine Heimat Bremen kannte. Dann ging es los auf den Pfad und schnell kam ich, das Rauschen des Windes in den Bäumen und Bambussträuchern und die Schreie exotischer Vögel umgaben mich, in der urwaldartigen Umgebung zur Ruhe.

Das So-Sein im Wandern

In unserer Gesellschaft geht es viel um das effiziente Erreichen von Zielen, vor allem auch von wirtschaftlichen Zielen. Diese Einstellung durchdringt unser ganzes Leben, und so bringen sie wir auch mit zum Heilpraktiker. Auch finanziell gibt es für beide Seiten Druck. Im Wandern nun gelangen wir eventuell vorübergehend zu einer Haltung des So-Seins, des einfachen Daseins ohne Ziel, ohne Ambitionen und Verlangen. Diese Einstellung ist auch für den Akupunkteur sehr gut, wie auch mein Lehrer Masakazu Ikeda beim letzten London Seminar immer wieder betont hat. Denn wir wollen dem Patienten bereits mit Akupunktur helfen, schließlich haben wir eine Praxis als Heilpraktiker aufgemacht und keine Mühen gescheut. Wir haben einen langen Weg und eine Ausbildung hinter uns. So brauchen wir uns beim Behandeln nicht in die Spannung zu begeben, das richtige zu tun oder Prozesse zu optimieren. Dies engt unsere Wahrnehmung des Patienten und auch von uns selbst ein.

Vielmehr ist eine offene entspannte Haltung wie die des So-Seins beim Wandern hilfreich. Dies bedeutet, ich sorge mich nicht um den Ausgang der Therapie während ich den Patienten behandle, sondern ich bin ganz dabei. Das Wohlwollen ist da, also wird auch die Praxis der Akupunktur gut sein, zumal nun auch noch konzentriert durchgeführt. Schließlich haben wir diesen Beruf ergriffen weil wir Menschen helfen wollen und deshalb wie oben geschrieben viele Mühen auf uns genommen. Also werden unsere Handlungen als Heilpraktiker am Patienten, der von uns mit Akupunktur behandelt wird, eine gute Grundlage haben. Diese Gesetze gelten überall, ob nun in Japan oder Bremen.

Eine Begegnung auf dem Weg

Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sind Buddhistische Tugenden, vielleicht findet man diese deswegen bei den Japanern so oft wieder. Auf meinem Weg hatte ich mich verlaufen und traf ein Japanisches Paar, das im Wandern sehr erfahren ist und aus der Gegend kommt. Sie konnten nicht viel Englisch und ich kein Japanisch, aber Daibutsu – dass ich zum großen Buddha will – das verstanden sie schon und änderten prompt ihre Wanderpläne und führten mich etwa eine Stunde des Restweges die Pfade in der urwaldartigen Umgebung entlang.

Der Heilpraktiker trifft Gefährten

Diese Hilfsbereitschaft, dieses Wohlwollen ähnelt dem Geist, in welchem Akupunktur meiner Meinung nach entstanden ist. Diese Behandlungsform entstand, weil Menschen ihrer Familie oder ihrem Stamm helfen wollten. Diese Güte und dieses Wohlwollen darf ich auch bei meinem Lehrer für Akupunktur erleben, der mehr als das ist: Er ist auch Mentor und Berater in Lebensfragen und hat mich großzügig aufgenommen. So ist also Akupunktur gedacht : Eine Gabe an den Behandler und Behandelten, von Freund zu Freund, wie in einer Familie, sie diese nun in Japan oder in Bremen. So kommt es automatisch zu guten Behandlungen. Und gerade in der heutigen Zeit empfinden Menschen, die dafür empfänglich sind, dies als eine große Wohltat.

 

Zu sich kommen

Das oben beschriebene So-Sein bewirkt ein Zu-Sich-Kommen, ein Besinnen und eine Verwurzelung. Wenn man also klar sich selbst und andere Wahrnimmt, so wirkt sich das stark auf die Akupunkturpraxis aus. Der Heilpraktiker kann sich so eigener Blockaden und auch der im Patienten besser bewußt werden und diese also gezielter auflösen. Natürlich ist es auch die Aufgabe des Akupunkteurs, den Patienten zu sich zu bringen, im Sinne der Selbstwahrnehmung. So kann der Patient besser selber sehen, welche Verhaltensweisen und Konditionierungen dazu beitragen, daß das Problem oder die Krankheit besteht.

Der Pfad