,

Chinesische Medizin – Informationen für Patienten

Hier möchten wir Patienten, welche nichts oder wenig über Chinesische Medizin, insbesondere Kräuter, wissen, ein paar Informationen geben, damit Sie in die Therapie bei uns in Bremen Vertrauen fassen können.

Historie der Chinesischen Medizin

Offiziell gibt es mehrere tausend Kräuter, welche in der Chinesischen Medizin Anwendung finden, denn über lange Zeit entwickelte sich in dem riesigen Land ein großer Fundus an Wissen über die heilende Wirkung von Kräutern.

Die „Materia Medica des göttlichen Landwirts“ ist eines der ältetsten Grundlagenwerke der Chinesischen Medizin bzw. Kräuterheilkunde und behandelt einige der für die Chinesische Medizin wichtigsten Kräuter. Dieses Werk stammt aus dem zweiten Jahrhundert v. Chr. und ist ebenso ausgereift wie die besten Werke traditioneller westlicher Kräuterheilkunde. Seit dieser Zeit entwickelte sich die Chinesische Medizin immer weiter und es entstanden Werke über Rezepturen wie das Shang Han Lun („Abhandlung über Schäden durch Kälte“ , ca. zweites Jahrhundert n. Chr.)

Schon in diesem Werk sind die Rezepturen der Chinesischen Medizin sehr ausgereift. Es gibt detaillierte pathologische Muster bzw. Beschreibungen von Zustände welche der Erkrankte haben muss, damit eine Rezeptur passend angewendet werden kann. So geht es um die Qualität des Pulses oder bestimmte Befunde welche beim Tasten der Bauchoberfläche klar werden. Vor allem geht es auch um vielerlei Symptome. All dies definiert ein differenziertes Bild, ein pathologisches Muster oder auch „Rezepturenmuster“ der Chinesischen Medizin. In diesem Stadium war die Chinesische Medizin also schon weiter als unsere traditionelle westliche Kräuterheilkunde jemals gewesen ist. Dies liegt historisch gesehen vielleicht daran, dass wir in Europa keine ununterbrochene Tradition dieser Art haben.

Daosimus und Chinesische Medizin

Die Chinesische Medizin wurde ganz wesentlich vom Daoismus und vom Konfuzianismus beeinflusst. Der Daoismus ist eine recht pragmatische Philosophie und beruht vor allem auf der Beobachtung der Natur. Durch intensives Erforschen der Gesetze in der Natur und im Menschen entwickelte man auch eine Lehre über Kräuter und Rezepte.

So redet die Chinesische Medizin zum Beispiel über die Temperatur der Kräuter. Eine Arznei kann wärmend oder kühlend auf den Menschen wirken. Dementsprechend wird diese dann bei Kältezuständen (Erkältung, Energiemangel, …) oder Hitze-Erkrankungen (Infektionen, evtl Bluthochdruck …) angewendet.

So ist zum Beispiel die Zimtrinde (Rou Gui) wärmend und wird verwendet, um die Nieren zu wärmen (zum Beispiel bei Impotenz wegen Nieren-Yang Mangel) oder die Wirkung des gesamten Rezeptes Richtung Niere zu lenken.

Das Kraut Lu Gen hingegen kühlt die Lunge und wird somit bei hitzigen Lungenproblemen mit gelbem Sputum, trockenem Mund, Durst, etc. verwendet. An den Begriffen Hitze und Kälte wird klar, dass es um Eigenschaften geht wie wir Sie in der Umwelt antreffen und welche auf ähnliche Art im Menschen existieren. Der Mensch ist für den Daoisten ein Mikrokosmos, der die äußere Natur abbildet.

Pathogene

Eine wichtiger Unterschied zur Akupunktur im Vergleich zu den Kräutern der Chinesischen Medizin ist die Behandlung bzw. das Eliminieren sogenannter Pathogene. Dies kann wie oben beschrieben Hitze und Kälte sein, aber auch Schleim oder Wind. Je nach Pathogen gibt es bestimmte besonders geeignete Kräuter. Während die Akupunktur versucht, eine Balance der Meridiane über das Lösen von Blockaden und das in den Fluß bringen des Qi zu erreichen, so versucht man bei den Kräutern der Chinesischen Medizin häufig, zunächst die obigen Pathogene „auszuleiten“ oder „zu eliminieren“. Hat man zum Beispiel eine Hauterkrankung, welche ständig andere Stellen befällt, so ist dies in der Chinesischen Medizin „Wind“ und man würde auch Kräuter verwenden, welche eben diesen Wind eliminieren, wie zum Beispiel das Kraut „Fang Feng“ welches in der TCM und Chinesischen Medizin häufig verwendet wird.

Man sieht hier vielleicht auch, dass die Chinesische Medizin im Bereich der Kräuter mehr Ähnlichkeiten mit der westlichen Medizin hat als im Bereich Akupunktur. Dies ist kurz gesagt ein Grund, warum in China unter der kommunistischen Regierung vor allem die Kräutermedizin gefördert wurde, und diese deswegen in der TCM wichtiger ist als die Akupunktur. Auch kann man die Wirkung der Kräuter leichter mit westlicher Medizin erklären: Schließlich enthalten diese Stoffe, deren Wirkung sich erforschen lässt, und die so sogar ihren Weg in die Medikamente der westlichen Medizin finden. In der TCM in China spielen die Kräuter daher die größere Rolle, sie werden in den meisten Fällen angewendet. Die Akupunktur hat in der Chinesischen Medizin jedoch ursprünglich eine wichtigere Stellung als in der TCM von heute. Ein Grund, weswegen ich in Bremen Japansiche Akupunktur anbiete.

TCM und andere Strömungen

Wie schon angedeutet wird TCM hier zu Lande mit Chinesischer Medizin identifiziert. Eigentlich jedoch ist TCM ein System, welches unter der kommunistischen Regierung Chinas wohl etwa in den 1950er Jahren entstand. In der Tat gibt es in der Chinesischen Medizin viele Systeme, Schulen und Strömungen, welche von der TCM zum Teil zusammengefaßt werden. So gibt es zum Beispiel Schulen, welche vor allem auf dem Shang Han Lun beruhen (siehe oben). Diese werden übergreifend manchmal mit „Jing Fang“ bezeichnet und nutzen die Formeln dieses wichtigen Buches der Rezepturen Chinesischer Medizin in reiner oder modifizierter Form. Ein anderes System bzw eine Strömung ist die Menghe Schule, zu welcher der berühmte Kräuterarzt Qin Bo Wei gehörte. Hier wird mehr auf die einzelnen Kräuter geschaut und anstatt die beste Formel aus einer Menge auszuwählen wird eher ein neues Rezept mittels individueller Zusammenstellung kreiert. Auch kommen zum Teil andere Kräuter zum Einsatz als beim Jing Fang.

Schulmedizin und Chinesische Medizin

In China wird Chinesische Medizin in vielen Krankenhäusern parallel zur Schulmedizin angewendet. Die Chinesischen sind hier pragmatisch: Was funktioniert, wird auch benutzt. Schulmedizin kann Chinesische Medizin natürlich nicht hinreichend erklären. Man bedenke immer, daß die Schulmedizin eine sehr junge Disziplin ist, vor allem im Vergleich zur Chinesischen Medizin. Einen häufige Kritik ist, Chinesische Medizin sei „unwissenschaftlich“. Hier führe man sich dann einfach vor Augen, dass sich auch die Schulmedizin letzten Endes im Alltag beweist : Erst die Statistik über ein neues Medikament, über Jahre beobachtet, gibt Aufschluss darüber, wie es wirklich am Menschen wirkt. So ist es in der Schulmedizin dann so, dass die Praxis und Anwendung über die Effektivität von Arzneien entscheidet. Statistik wird zur wichtigsten Disziplin. Ebenso hat man jedoch in der Chinesischen Medizin Erfahrungen gesammelt, aber über viel längere Zeit. Zudem basiert die Chinesische Medizin nicht auf einer naturwissenschaftlichen Doktrin, sondern auf dem Daoismus.

Wir verlangen von der Chinesischen Medizin oft, dass diese unter dem naturwissenschaftlichen Paradigma einer genauen Analyse standhält. Ebenso könnte man den Spieß jedoch umdrehen und sich fragen, inwieweit die Schulmedizin unter der Prämisse des Daoismus überzeugend ist. Hier würde diese dann vermutlich ebenso abschneiden. Implizit halten wir unseren westlichen Ansatz jedoch immer für besser, weil er unserem Weltbild entspricht. Dadurch setzen wir uns jedoch Scheuklappen auf. Hier ist auch der Beitrag über den Unterschied von Schulmedizin und Chinesischer Medizin interessant.

Wie verläuft eine Therapie mit Chinesischer Medizin und was ist zu beachten

In unserer Praxis in Bremen halten wir uns so weit wie möglich an die Vorgehensweisen unserer Lehrer aus China und Japan bzw. an die Methoden, welche wir bei Aus- und Fortbildung erlernt haben. Bei den Kräutern bedeutet dies, dass der Patient ein individuell auf ihn abgestimmtes Rezept bekommt. Dieses nimmt er meist 2 Wochen ein, danach wird es modifiziert, entsprechend der bisherigen Ergebnisse. Dosis, Frequenz der Einnahme etc. werden genau überlegt und angepasst. Wir verschreiben gemäß der Diagnose mit Chinesischer Medizin und nicht symptomatisch, sondern gehen an die Ursache des Problems, so wie es die Chinesische Medizin eigentlich auch möchte. Das Kampo der japanischen Medizin ist das Pendant zum Jing Fang der Chinesischen Medizin. Beide Methoden legen großen Wert auf die konstitutionelle Verschreibung der Formeln. Dementsprechend wird auch in unserer Praxis der ganze Mensch behandelt – ganzheitlich, individuell und authentisch.